Blog 4 – Tena

Heute morgen sind wir mit Remigio nach Tena gefahren. Ab und an kommt zwar auch an unserer Haustüre ein fahrender Händler für Trinkwasser, Eier und Gemüse vorbei, aber alles Weitere erhält man nur in der Provinzhauptstadt. Hier ist dafür fast alles zu bekommen was man braucht. Die Preise für Importgüter sind zwar sehr hoch, aber vor allem Lebensmittel aus der Region sind sehr günstig und extrem lecker dazu.

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Aus dem verschlafenen Provinznest ist in den letzten Jahren eine quirlige Kleinstadt geworden die nach wie vor enorm an Bevölkerung zunimmt. Das liegt nicht nur an der hohen Geburtenrate (viele Familien haben mehr als 5 Kinder), sondern auch an Zuwanderung. Neben vielen Kolumbianern suchen in den letzten Jahren auch von Erdbeben geplagte Ecuadorianer der Küstenregion ein neues Zuhause in Amazonien. Das belebt den Handel und die Entwicklung, aber erhöht auch den Druck auf die Natur. Die Preise für Land sind stark angestiegen und die Umweltverschmutzung nimmt zu. Dies betrifft auch den Fluss Napo welcher eine der Lebensadern der Kwicha-Indianer ist. Diese nutzen traditionell das Wasser des Flusses zum Baden, Waschen und Kochen.

Von Puerto Barantilla sind es gute 40 km bis nach Tena. Der Beginn der Strecke verläuft noch auf einer holprigen Schotterpiste, aber bald fährt man auf einer nagelneu asphaltierten Fernstraße. Der Grund dafür liegt im erst wenige Jahre alten Flughafen, der allerdings schon wieder den Betrieb eingestellt hat. Denn mit dem Bus sind es von Tena bis nach Quito dreieinhalb Stunden, dagegen von Tena bis zum Flughafen alleine eine halbe Stunde und mit Check-in und Flugzeit ist man letztlich auch nicht schneller, sondern nur teurer unterwegs.

Links und rechts der Strasse reiht sich Finca an Finca immer bis runter zum Ufer des Rio Napo. Neben vielen Kakao- und Obstplantagen sieht man vereinzelt auch Maisfelder und Stücke von Wald. Remigio erzählt uns, dass viele der Siedler seit ein paar Jahren mit einer eingeschleppten Pflanze zu kämpfen haben die alles überwuchert. Zu allem Überfluss schmeckt den Weidetieren dieses Gras nicht einmal und verhindern das Nachwachsen des Waldes.

In Tena besuchen wir verschiedene Geschäfte um noch fehlendes Material (Schleifstein für die Macheten, Verlängerungskabel, Feuerzeuge, etc.) und Lebensmittel zu besorgen. Ein Highlight dabei ist die örtliche Markthalle. Die meisten Einheimischen kaufen hier und nicht in den Supermärkten ein, da die Ware deutlich günstiger ist. Beeindruckend sind die Obst- und Gemüsestände die in allen Farben leuchten. Hier gibt es viele tropische Früchte von denen man zuvor noch nie gehört hat. Eine davon ist die Baumtomate aus welcher man einen köstlichen Saft pressen kann. Aber auch Klassiker wie Mango und welche man bei uns im Supermarkt bekommt, die hier aber viel schmackhafter sind. Besonders gut schmecken frittierte Kochbanane und Yuka – in Ecuador eine klassische Kohlenhydrat-Beilage zu Hauptgerichten.

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Die Kwicha-Indianer haben dagegen ihre ganz eigenen Spezialitäten. Kurz vor der Rückfahrt muss Remigio noch kurz was besorgen und verschwindet um die Ecke. Grinsend kommt er mit einem blauen Eimer bedeckt von einem Bananenblatt zurück. Unter diesem krabbeln daumengroße Maden wie man sie nur aus Science-Fiction-Filmen oder dem Dschungelcamp kennt. „Contachurro“ heißt diese Spezialität und entwickelt sich im Baumstamm von Palmen. Bis zum Käfer haben es diese Exemplare leider nicht gebracht, dafür zu einem Festessen für Remigio und seine Familie.

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