Blog 9 – Zurück im Feld

Der Tag begann wie viele der letzten Woche ohne Sonnenschein. Allerdings hängen die Wolken deutlich höher als sonst und es herrscht auch kein Nebel. Die Luft ist erstaunlich frisch und es weht ein leichter, aber sehr angenehmer Wind. Erstaunlich viele Vögel kann man am Himmel beobachten. Neben einem Geier der einsam seine Kreise zieht, wirbelt über dem Rio Arajuno ein ganzer Schwarm an Krähen oder Schwalben wie ein Tornado flussaufwärts. Was dieses Treiben soll kann ich nur erahnen könnte aber der Jagd oder Verteidigung dienen.

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Wir wollen den Tag jedenfalls zur weiteren Feldforschung in der Finca Liza nutzen. Der Bus ist heute sogar einigermaßen pünktlich und wir warten lediglich eine halbe Stunde. Für insgesamt 1 Dollar transportiert er uns bis zur Finca. Wir steigen bewusst erst ein paar Meter später aus und laufen dann zurück: muss ja nicht jeder wissen wo genau wir arbeiten, denn wir wollen auch nicht jeden Abend das gesamte Arbeitsmaterial wieder zurück schleppen.

Kurz nachdem wir in der Finca angekommen sind setzt ein heftiger Regenschauer ein. Das Prasseln auf das Blechdach ist so laut, dass Adrian und ich uns fast anschreien müssen, um uns gegenseitig zu verstehen. Die Dachrinne hat auch schon bessere Zeiten gesehen und bedarf dringend mal einer Reinigung.

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Der Platzregen lässt zügig nach, aber es dauert noch eine halbe Stunde bis wir trockenen Hauptes nach draußen können. Die Zeit nutzt Adrian für Versuchsplanung und ich um verschiedene Insekten am Haus näher zu inspizieren. Besonders ins Auge fallen mir dabei eine Blattheuschrecke und Raupe die beide eigentlich im Wald sehr gut getarnt sind. Keine Ahnung also warum sie nun gerade auf einer weiß verputzten Wand sitzen was quasi Selbstmord gleicht. Oder aber sie wissen, dass sich bei Anwesenheit von Menschen kein anderer Jäger ins Revier traut. Wie dem auch sei: mit Blitz und Zoom bewaffnet vertreibe ich mir die Zeit und mache ein paar Schnappschüsse. Gut, dass diese Insekten nicht die Proportionen von uns Menschen erreichen…

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In einem der beiden Badezimmer im Waschhaus der Finca wo es sich auch kleine Säuger gemütlich gemacht hatten entdecke ich kleine Wespennester wo gerade geschlüpft wird. Eine ganz andere Größenordnung hingegen haben die drei Termitenbauten im ehemaligen Badezimmer des Pfahlhauses. Sie erreichen jeweils die Größe eines Basketballs und lieben ein Dach über dem Kopf offensichtlich genauso sehr wie wir Menschen. Schade nur, dass sie gerade eben auch dieses Dach bzw. die Bretter und Balken davon zerlegen. Vermutlich werden die Waldhüter die Nester bald entfernen.

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Mit Spezialgeräten die auf Ultraschallmessung beruhen vermessen wir schließlich die freie Fläche um die Finca herum. Dabei halte ich jeweils auf Brusthöhe einen Empfänger mit welchem mich Adrian aus bis zu maximal 30 Meter entfernt anpeilt. Die so gewonnen Längendaten unterlegen wir mit den GPS-Daten der Garmin-Geräte. Leider zeigen diese heute nicht die beste Performance was am stark bewölkten Himmel liegen dürfte, so dass wir mit dem Ergebnis nur mäßig zufrieden sind.

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Nach einer kleinen Mittagspause versuchen wir das restliche Gelände nördlich der Straße zu erkunden. Dieses bestand anscheinend früher aus Weideland und Nutzbäumen. Vereinzelt gibt es tatsächlich noch Grasflächen, aber auch nur deshalb wie wir schnell merken, weil man knöcheltief im Wasser steht. Zwischendrin kann man immer mal wieder total verwilderte Limetten- oder Kakaobäume entdecken die teils sogar noch Früchte tragen.

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Die Finca durchläuft an der nördlichen Grenze ein kleiner Bach der vom Nachbargrundstück kommt. Wir beschließen dem Lauf zu folgen in der Vermutung irgendwann auf die Straße zu treffen. Nach einigen Metern versperrt uns ein dicker Baumstamm den Weg der sich quer über das Bachbett legt. Irgendwann was darauf scheint sich zu bewegen und beim Näherkommen entdecken wir eine Autobahn von Blattschneiderameisen. Was sie genau zerlegt haben wissen wir nicht, aber viel dürfte von dem Baum oder Busch bald nicht mehr übrig sein. Mit meiner Machete verursache ich ungewollt einen Verkehrsstau – offensichtlich scheuen sich die Ameisen vor Überquerung von Eisen.

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Weiter 100 m dem Verlauf folgend hört man auf einmal ein starkes Rauschen und Plätschern. Der vermeintliche Wasserfall am Ende der blauen Lagune entpuppt sich aber schnell als Ausfluss eines großen Kanalrohrs in welcher der Bach die Straße durchquert. Schade…

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Auf dieser angekommen laufen wir zurück in Richtung Finca und dann weiter nach Hause. Da kein Bus kommt legen wir nach knapp 2 km noch einen Zwischenstopp beim Haus von Waldhüter Ruben ein. Dem geht es gerade gar nicht gut: er hat starke Schmerzen und Taubheitsgefühle im linken Bein. Könnte mit dem Ischias-Nerv zusammen hängen. Er war zwar schon beim Arzt, aber man wartet hier lange auf Termine für eine Radiographie und richtig Bescheid wissen wird er erst Ende des Monats. Aufs Erste ist er jedenfalls krank geschrieben was sehr schade ist, denn so kann er uns bei unseren weiteren Erkundungen erstmal nicht begleiten.

Dafür erwartet uns bereits Waldhüter Jaime samt Frau und Kind vor der Haustüre. Er hat uns wohl gesucht und versucht zu erreichen. Nach kurzer Lagebesprechung haben wir ausgemacht morgen zusammen den Primärwald im südlichen Teil der Finca zu erkunden. Auf den hochaufgelösten Satellitenaufnahmen welche ich in Tena heruntergeladen habe konnte man die Baumkronen ein paar stattlicher Urwaldriesen erkennen. Diese wollen wir finden!

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