Blog 10 -Amazonien

Unser Plan heute Urwaldriesen zu kartographieren hatte sich leider schnell erledigt. Den ganzen Vormittag regnete es in Strömen und erst gegen Nachmittag kam noch die Sonne raus. Der Rio Arajuno hat auch schon wieder bedrohliche Pegelwerte angenommen. Hoffentlich kommt es nicht zu einer erneuten Überschwemmung.

Den regnerischen Tag nutzen Adrian und ich deshalb für Büroarbeit. Erfreulicherweise funktioniert das Internet über das Handynetz heute sehr gut, so dass es mir sogar gelingt neue Blogs hochzuladen und Adrian nach weiteren Quellen (digitale Karten zu Höhenlinien, Erosion, Bodennutzung, etc.) für unser GIS-Projekt recherchieren kann.

Da wir das Haus also quasi nicht verlassen haben gibt es heute keine spannenden Berichte oder Bilder. Statt dessen habe ich mich mal drangesetzt eine Übersicht über das Schlagwort „Amazonas“ zu erstellen. Der Begriff ist nämlich mehrfach belegt und das kann zu Verwirrungen führen. Zur Hilfe habe ich folgende Karte erstellt:

amazonasbecken

Fangen wir mit dem Fluss Amazonas an der doch so viele Zuflüsse hat und der größte Strom der Erde ist. Streng genommen wird der Amazonas erst ab Manaus so bezeichnet. Dort fließen der Rio Negro und der Rio Solimoes zusammen. Alle Zuströme davor haben eigene Namen. Einer davon ist der Rio Napo der an Tena vorbeifliesst und an dem auch Selva Viva anliegt. In der flussabwärts gelegenen Stadt Francisco der Orellana begann 1541 der gleichnamige spanische Conquistador die erste West-Ost-Befahrung des Amazonas bis zur Mündung bei Belem. Er war es auch der dem Fluss Amazonas seinen Namen gab: die Chronisten berichten, dass er auf seiner Reise immer wieder in Kämpfe mit Indianerstämmen verwicket war und dass bei einer dieser Begegnungen sagenhafte weiße nackte Kriegerinnen die Indios unterstützen. Diese wurden nach den gleichnamigen Kämpferinnen in der griechischen Mythologie benannt.

Der Strom Amazonas selbst ist gigantisch und erreicht an manchen Stellen bis zu 20 km Breite. Aber auch die meisten seiner Zuflüsse sind Giganten neben denen der Rhein oder die Elbe recht kleinseelig ausschauen. Leider macht das diese Ströme auch interessant für die Wasserkraft, welche neben der Holz- und Landwirtschaft inzwischen eine der Hauptbedrohungen für den amazonischen Regenwald ist. Am Fluss Xingu wird bereits ein Megastaudamm gebaut und am benachbarten Fluss Tapajos konnte erst im letzten Jahr aufs Erste ein weiterer Megadamm verhindert werden. Trotzdem hat die brasilianische Regierung es sich zum Ziel gesetzt weitere Megakraftwerke zum Strombedarf des energiehungrigen Südens zu errichten.

Neben dem Fluss Amazonas gibt es den gleichnamigen Bundestaat Amazonia in Brasilien. Er ist der Staat der den größten Teil unberührten Amazonas-Regenwaldes beherbergt. Die Hauptstadt von Amazonia ist Manaus. Neben Iquitos in Peru und Porto Velho im brasilanischen Bundesstaat Rondonia ist es die einzige Großstadt im Dschungel. Manaus wurde 1669 als kleines Fort errichtet, zählt aber heute bereits um die 2 Mio. Einwohner. 1890 war Manaus infolge des Kautschukbooms die wohlhabenste Stadt Brasiliens. Als heutige Freihandelszone mit einem Hafen an welchem internationale Hochsee- und Kontainerschiffe anlegen ist es zu einer wirtschaftlichen Metropole geworden. Iquitos hingegen wurde 1750 als kleine Jesuitenmission gegründet und erlangte erst im 19. Jahrhundert an Bedeutung, als es um Grenzstreigkeiten für die ecuadorianische Provinz „El Oro“ ging. Diese fiel nach schließlich nach längeren militärischen Auseinandersetzungen an Peru und Ecuador verlor damit ca. 40 % seiner Landesfläche! Bei Iquitos mündet auch der Rio Napo in den Rio Solimoes.

Wenn man nun vom Regenwald Amazonas redet, so ist damit im Prinzip der gesamte Wald im Amazonasbecken gemeint. Große Waldflächen des Amazonas liegen damit nicht nur in Brasilien, sondern auch im Tiefland von Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien und Venezuela. Die Regenwälder Guyanas, Französisch-Guayans und Surinams gehören zwar da nicht dazu, aber auch sie zählt man allgemein zum Amazonas-Regenwald. Die natürliche Begrenzungen des Amazonas-Regenwaldes im Westen bilden die Anden und im Norden die Savannenlandschaften von Kolumbien und Venezuela. Hier fällt deutlich weniger Regen und deshalb gedeiht dort Wald nur noch entlang von Flussläufen: an solchen bilden sich artenreiche Galeriewälder. Im Osten war es früher tatsächlich der Atlantische Ozean an bis welchen der Urwald reichte. Und im Süden das regenarme brasilianische Hochland von Mato Grosso do Sul.

Die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes hält nun schon viele Jahrhunderte an. In den brasilianischen Bundesstaaten Rondonia und Mato Grosso ist sie am Weitesten fortgeschritten. Mato Grosso bedeutet eigentlich „großer Wald“, aber viel davon ist nicht mehr übrig. Auch der Bundesstaat Para hat in den letzten Jahren extrem gelitten. Auf der folgenden Karte kann man das Ausmaß sehr gut erkennen.

rondonia_mato_grosso

Der Amazonas-Regenwald in den Andenstaaten war lange Zeit unangetastet und wenig von wirtschaftlicher Bedeutung. In diesen Ländern siedelt der Großteil der Bevölkerung im fruchtbaren Hochland und an der Küste. Erst seit wenigen Jahrzehnten wächst hier der Druck auf den Wald. Die Gründe sind unterschiedlich. In Bolivien beispielsweise erhofft  sich der dortige Präsident Morales durch große Umsiedlungsprogramme die harte Lebensbedingungen der Indios vom Hochland dauerhaft zu verbessern. In Peru hat die Ölpalme Einzug gehalten und riesige Flächen Regenwald werden inzwischen zu Monokulturen transformiert.

In Ecuador ist es vor allem die Erdöl- und Erdgasförderung die zahlreiche Siedler und Abenteurer in den Regenwald lockt. Während die Region bei Selva Viva noch viel Primärwald besitzt sieht es um Francisco der Orellana schon anders aus. Hier fressen sich Straßen und Sielder immer tiefer in den Regenwald bis hin zu den Grenzen des weltbekannten Nationalparks Yasuni.

tena_frsco_orellana

 

 

 

 

 

 

 

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