Blog 25 -Schüsse im Wald

Heute ist unser letzter Tag Feldarbeit in der Finca Liza. Was uns nach den Kartierungen der Bachverläufe noch fehlt sind die großen Bäume im hinteren Teil der Finca. Wir machen uns auf einen dicken Brocken Arbeit gefasst. Erfreulicherweise haben beide Waldhüter Zeit und so werden wir schnell vorankommen. Außerdem können wir Ruben noch mehr mit der Arbeit des GPS-Geräts vertraut machen. Bisher hat er sich etwas schwer getan damit. Angekommen an der Finca gibt es erstmal eine kurze Planbesprechung und Einweisung und diverse Unterfunktionen der GPS-Geräte.

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Dann geht es los in den Wald. Ich hinke mit Ruben etwas hinterher, da ich ihn gebeten hatte mir alles in Bezug auf Medizinpflanzen zu zeigen und an einigen Stellen werden wir direkt am Wegesrand fündig. Noch im Sekundärwald der ehemaligen Kakaoplantage entdecken wir einen kleinen Strauch. „Matiri“ heißt die Pflanze und die weiße Milch der Wurzeln ist zwar sehr bitter, aber anscheinend ein hervorragendes Mittel gegen Husten und Erkältung. Etwas später stoßen wir auf einen mittelgroßen Baum. Ruben ritzt mit seiner Machete in die Rinde des „Sucubas“ und es tritt ebenfalls ein weißer Saft aus. Dieser soll wirksam in der Bekämpfung von inneren und äußeren Tumoren sein: seine Mutter, die sich nicht einer Operation unterziehen wollte, wurde nach längerer Behandlung mit dieser Pflanze geheilt. Etwas weiter im Primärwald finden wir schließlich noch eine Rinde deren blutroter Extrakt antirheumatisch wirken soll, sowie die „Una der murcielago“ deren Blätter gegen Gastritis helfen.

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Abgesehen davon gibt es immer mal wieder was für den Magen und fürs Auge. Palmherzen bekommt man teilweise auch bei uns in Deutschland zu kaufen, aber nie so frisch wie hier. Die beigefarbenen Pilze hingegen eigenen sich eher nicht zum Verzehr, allerdings ist Ruben später für eine Weile verschwunden. Später taucht er mit einer Ladung Champignons auf die er in einem großen Blatt eingpackt hat. Die Signalfarbe „rot“ bei Pflanzen wird nicht nur für Blüten, sondern auch frische Blätter verwendet. Dies soll verhindern, dass diese sofort von Insekten aufgefressen werden. Eine andere Möglichkeit sind Stacheln die man nicht nur an Sträuchern, sondern auch ganzen Bäumen findet.

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Bald erreichen wir den Pfad zum hinteren Ende der Finca Liza und einen ersten riesigen Urwaldbaum. Leider steht er auf dem Nachbargrundstück, aber eignet sich trotzdem für ein paar gute Fotos. Bei solch viel Größe muss man aufpassen, dass man den Blick für die kleinen Dinge nicht verliert. Oft erkennt man die sehr gut getarnten Tiere des Waldbodens nur durch ihre Bewegung.

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Dann hören wir in der Ferne einen Schuss. Ein Wilderer! Offensichtlich scheint hier jemand regelmäßig sein Unwesen zu treiben, denn Ruben hat nun schon ein paar mal Personen mit Waffen im Wald getroffen und zudem kann man an Spuren auch sehen wer im Wald unterwegs ist. Das Wildern in der hiesigen Gegend ist ein sehr großes Problem. Wir hatten uns schon oft gefragt, warum wir auf so wenige große Tiere in der Finca Liza treffen und der Grund dürfte tatsächlich in der Wilderei liegen. Ungünstigerweise ist die Finca Liza vom Rest Selva Vivas durch zwei weitere Fincas getrennt. Deren Besitzer scheren sich nicht groß um den Schutz des Waldes und machen vermutlich mit den Jägern schmutzige Geschäfte, denn eigentlich ist nur die Jagd nicht geschützter Tierarten im eigenen Wald erlaubt. Wilderer knallen aber bekanntlich alles ab was ihnen vor die Flinte springt. Die Wilderei zu unterbinden dürfte schwierig sein. Nur bei Fotobeweis kann Anzeige erstattet werden. Vermutlich wäre es der beste Weg einen Suchtrupp zu engagieren, die den Wilderer suchen und stellen. Tagelöhner bekommt man hier schon für 20 Dollar am Tag. Damit würden sich die Waldhüter nicht in unnötige Gefahr begeben und „statuiertes Exempel“ sollte sich schnell herumsprechen. Langfristig wären aber auch andere Wege denkbar wie die Zucht von bestimmten Arten wie Wildschwein oder die Lizenzierung der Jagd. Das Thema ist sehr schwierig aber nach unseren Erfahrungen eines der größten aktuellen Probleme im nordöstlichen Teil von Selva Viva.

Etwas weiter steigen wir ein ins Gelände. Adrian hat zuvor über die Satellitenbilder ein paar der großen Bäume auf seinem Feldlaptop markiert und die GPS-Information auf die Handgeräte überspielt. Jaime scherzt noch wie man sich aus Blättern einen Regenschirm basteln kann. Wenn er nur wüsste was noch auf uns zukommen sollte…

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Dann geht es an die Arbeit: der Wald im hintersten Teil der Finca ist sehr wild. Chaotische Konstrukte aus Lianen wachsen durchs Unterholz. Auf manchen kann man richtig schaukeln. Wir kommen gut voran bis um kurz nach zwei der Himmel rabenschwarz ist. Schon bricht auch einheftiges Unwetter los. Am Waldboden ist man zwar vor Wind geschützt, aber das Blätterdach gibt bald nach und schwere Regentropfen prasseln auf uns nieder. Wie es der Zufall will haben alle an einen Regenschutz gedacht nur Jaime nicht. Seine notdürftige Improvisation aus großen Blättern hält nicht lange stand und so eilt im Adrian zur Hilfe.

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Nach einer halben Stunde lässt der Regen nur wenig nach, aber wir müssen weitermachen wenn wir heute noch fertig werden wollen. Kurz nach fünf sind wir endlich fertig und machen uns zügig auf Richtung Straße. Um 18:00 Uhr gibt es einen Bus und wir müssen noch einen Tisch und ein paar Stühle, welche wir aus Puerto Barantilla ausgeliehen hatten, abbauen. Es klappt alles und zufrieden können wir die erste vorläufige Bilanz ziehen: insgesamt 154 große Urwaldbäume konnten wir im Gebiet der Finca Liza kartieren. Superlative sind vermutlich der „Yutzo de la Montana Alta“ mit sicherlich 15 Metern Umfang, sowie der „Canelo Blanco“ mit um die 50 Metern Höhe. Von fast allen Bäumen haben wir Fotos, Namen und weitere Informationen (Holzverwendung, Früchte, Medizinale Nutzung) aufgezeichnet und werden diese später noch in unsere Datenbanken und das GIS einpflegen. Wie erwartet nimmt die Dichte an großen und alten Bäumen im hinteren Teil der Finca zu: bis hierher hat es noch kein Holzfäller geschafft.

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