Blog 26 -AmaZOOnico

Auf diesen Augenblick habe ich drei lange Wochen gewartet: mit einem satten Grinsen hechte ich von der Stelle, in der sonst das Kanu anlegt in den Rio Arajuno. Es ist um die Mittagszeit und wir wollen uns in der Urwaldschule mit den Waldhütern Ruben und Jaime treffen, um ihnen den Transfer der GPS-Daten auf einen Computer zu zeigen und uns von allen zu verabschieden. Es ist unser letzter Tag in Selva Viva. Und da ich es all die Wochen nicht einmal zum Baden im Rio Rodriguez oder Rio Arajuno geschafft habe wird halt nun zur Arbeit geschwommen. Meine Arbeitsmaterialien (Laptop und Co.) habe ich Adrian anvertraut der das Kanu bevorzugt. Durch die letzten zwei Tage Regen hat der Fluss wieder ordentlich Wasser und die Strömung ist nicht gerade klein. Trotzdem habe ich ordentlich meinen Spass und schwimme mit den Wellen Richtung AmaZOOnico. Nach circa 15 Minuten (mit Kanu sind es 5 min, zu Fuss 1,5 Stunden) komme ich an wobei die letzten Meter die anstrengendsten sind: aus der Flussmitte versuche ich mit aller Kraft und etwas spät an die Landestelle der Kanus zu schwimmen. Knapp verfehle ich das Ziel und muss somit am Ufer ein paar Meter zurücklaufen. Adrian hat sich bereits zur Schule aufgemacht – mit meinen Sachen – und so husche ich schnell nach oben um mir richtige Klamotten anzuziehen.

Kurze Zeit später trudeln erst Ruben und dann Jaime ein. Die Zwischenzeit nutze ich zum Hochladen der letzten beiden Blogs und eMails abrufen. Allzu viel scheint in Deutschland nicht zu passieren, denn (fast) keiner schreibt. „Na dann kann ich ja auch noch hierbleiben“, denke ich mir… Wir wollen den Waldhütern heute zeigen wie man die Messdaten der GPS-Geräte auf den PC überspielt, dort bearbeitet und gegebenenfalls auch wieder zurückspielt. Jaime hat schon einmal einen Kurs in Sachen GPS belegt und aus seiner Heimatgemeinde (welche über annähernd 3000 Hektar Primärwald verfügt) ein GPS-Gerät ausgeliehen um uns dazu ein paar Fragen zu stellen. In der dortigen Gegend wollten die Kichwa mit den GPS-Daten gegen Erdölfirmen vorgehen, welche illegal in ihrem Gebiet Probebohrungen vorgenommen hatten. Ruben ist hingegen sichtlich überfordert: er hat noch nie mit einem Computer gearbeitet. Generell wollen wir auch nur das Prinzip erklären und planen in Zukunft die beiden weiter zu schulen und betreuen.

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Nach gut anderthalb Stunden sind wir weitgehend durch und wir überspielen Jaime noch einen Großteil der Daten auf einen USB-Stick den er sich eigens gekauft hat. Es gibt noch ein paar Abschiedsfotos und für Jaime ein spezielles Geschenk: weil er sich bei einem unserer Treffen kurzzeitig mal aufs Ohr gelegt hat habe ich ihn dem Spitznamen „Guardasueño“ gegeben, was so viel wie Schlafhüter (statt Waldhüter) bedeutet. Für seine zukünftige Nickerchen bekommt er deshalb von mir (besser gesagt KLM) ein Kopfkissen mit Wolldecke verpasst.

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Dann geht es ab Richtung AmaZOOnico. Wir wollen Selva Viva nicht verlassen, ohne einmal einen Rundgang gemacht zu haben. Kelly (eine der beiden Chefs) organisiert für uns eine Volontärin die die Führung unternimmt. Über die Tiere in den verschiedenen Gehegen gibt es viele Geschichten. Die meisten sind recht tragisch und handeln von Misshandlungen, getöteten Elterntieren und Verhaltensstörungen. Trotzdem gibt es auch die ein oder andere Romanze wie das Rote Ara-Paar das sogar in Freiheit leben darf. Alles scheint wie eine eingeschworene Gemeinschaft. Etwas anders wird mir beim Anblick der drei Meter langen Anaconda: solche Exemplare wurden auch schon im Rio Arajuno gesichtet in welchem ich heute morgen noch geschwommen bin. Das Besondere am AmaZOOnico ist, dass das Wohl der Tiere oberste Priorität hat. Die Gehege sind recht groß und nicht von allen Seiten zugänglich oder einsichtbar. Über den Gehegen wächst der Urwald. Darüber hinaus gibt es auch zahlreiche Bewohner wie Aras, Schildkröten, Klammeraffen und Totenkopfäffchen die sich vollkommen frei bewegen. Die Ozelots bekomme ich wie vor schon fünf Jahren auch diesmal nicht zu Gesicht: nach einem Stromausfall ist eines der Tiere ausgebüchst (insofern es sie wirklich gibt).

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Am Ende der Tour lege ich noch einen Stopp im Büro der Verwaltung ein und plaudere mit Kelly und Sarah. Diese bedanken sich herzlich für unseren Einsatz: die zukünftige Arbeiten mit GPS könnten auch für Überwachungen der ausgewilderten Tiere interessant sein. Leider sind aber gerade alle etwas aufgewühlt weil die letzten Tage bereits vier Spinnenaffen plötzlich verstorben sind. In höchster Anspannung erwartet man einen Anruf aus Quito wohin Blutproben geschickt wurden.

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Bevor ich gehe frage ich noch nach den vier Funkgeräten welche die Waldgruppe von Greenpeace Freiburg vor drei Jahren hierher gespendet hatte. Sie waren eigentlich für die Waldhüter gedacht, aber die Reichweite hatte sich in den sehr hügeligen Terrain als bald nicht ausreichend erwiesen. Nun liegen die Walkie Talkies zusammen mit einem Haufen anderer Elektroschrott in einer Kiste: das feuchtwarme Klima hat auch hier seinen Tribut gefordert. Ich packe die Geräte ein: vielleicht lässt sich ja noch was reparieren und mache mich dann auf zu Adrian und Ruben. Jaime ist bereits wieder verschwunden. Wir treffen uns später am Fluss wo wir uns noch herzlich von Remigio verabschieden. Auch von seiner Seite gibt es ein herzliches Dankeschön. Abschiedstränen gibt es keine, werden wir doch sicherlich mal wieder hierherkommen. Das was wir hier geleistet haben soll ja auch ein Anfang und kein Ende sein. Mit dem Kanu der Liana Lodge verlassen wir Selva Viva und erreichen mit den letzten Sonnenstrahlen über dem Rio Arajuno schließlich Puerto Barantilla. Morgen heißt es packen und putzen, bevor es nach Tena und dann am Sonntag nach Quito geht.

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