Blog 28 – In nicht eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,

wir hoffen, dass Euch dieser Blog Selva Viva und unsere Arbeit hier näher gebracht hat! Dieses Projekt ist wirklich einmalig und bedarf auch in Zukunft unserer Unterstützung. Seit vier Jahren bereits helfen wir den Waldhütern mit finanziellen und materiellen Mitteln. Damit dies auch in Zukunft gewährleistet ist sammelt die Waldgruppe von Greenpeace Freiburg durch verschiedenste Aktivitäten im Laufe des Jahres Spenden. Auch gibt es einige Leute die Daueraufträge eingerichtet haben. Jeder also, der die Arbeit im Schutzwald von Selva Viva unterstützen möchte kann diese herzlich gerne tun. Entweder mit einer einmaligen Spende oder noch besser einem kleinen Dauerauftrag, denn nur so können wir auch kontinuierlich planen. Die Bankverbindung bei der GLS Gemeinschaftsbank lautet:

INHABER: A. Janicek, C. Trautwein

IBAN: DE29 4306 0967 7916 6002 00

BIC: GENODEM1GLS

 

Nähere Infos auch unter:

http://www.urwaldfreundliches-freiburg.de/

HERZLICHEN DANK & MUCHAS GRACIAS!

 

 

 

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Blog 27 -Tena

Gestern vormittag haben wir das Haus auf noch auf Vordermann gebracht und dann ging es voll bepackt ab nach Tena. Irgendwie ist das Gepäck in den vier Wochen nicht weniger, sondern eher mehr geworden. Kann aber auch an der Feuchtigkeit liegen, die sich in alle Klamotten gezogen hat.

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In Tena treffen wir auf Sigi und Eduardo – sie beiden arbeiten schon eine geraume Weile an der Transformation von Selva Viva in eine ecuadorianische Stiftung. Das bedeutet sehr viel Papierkrieg und wird erschwert durch viele Besonderheiten des Landrechts. Zum Beispiel wurde ein Teil der Fincas den Bauern vom Staat kostenlos zur Nutzung überlassen und gar nicht verkauft. Mag gut sein, dass deshalb auch Teile von Selva Viva unrechtgemäß von den Bauern und nicht vom Staat gekauft wurden. Das alles will genau geprüft werden. Eduardo hat als Rechtsanwalt deshalb auch eine wichtige Funktion in diesem Prozess.

Die beiden sind jedenfalls sichtlich zufrieden mit unserer Arbeit was uns auch fröhlich macht. Wir haben auch eine ganze Kiste mit Technik und Arbeitsmaterialien zusammengestellt, welche in Zukunft hoffentlich von den Waldhütern genutzt werden. Eines der GPS-Geräte wird auch hierbleiben, so dass die Kartierungen der Wege und Bäche in Selva Viva unmittelbar weitergeführt werden koennen.

Den Rest des Nachmittags geht es um die zukünftige Entwicklung der Finca Liza. Wir sammeln viele Ideen und es kristallisiert sich heraus, dass Agroforestry der richtige Ansatz sein könnte. Die Kombination aus Kakao und wieder aufgeforsteten Edelhölzern wäre ein Ansatz der sich selbst wirtschaftlich tragen und auch Vorbild für andere Farmer der Region sein könnte.

All das muss nun sorgfältig ausgearbeitet werden. Die Datensätze sind vorhanden und so werden wir auch zurück in Deutschland das Projekt weiterhin unterstützen. Für uns geht es jetzt erstmal noch zum gemeinsamen Frühstück mit Sigi, Eduardo, Isabel und Lionel und später zum Flughafen.

An alle Leserinnen und Leser die uns bis hierher gefolgt sind: ein herzliches Dankeschön und bitte schaut doch immer mal wieder rein! Der Blog wird weiter bestehen und wir wollen über die Entwicklungen in der Finca Liza hier weiter berichten. Also: immer mal wieder reinschauen lohnt sich! 🙂

 

 

 

 

 

 

 

Blog 26 -AmaZOOnico

Auf diesen Augenblick habe ich drei lange Wochen gewartet: mit einem satten Grinsen hechte ich von der Stelle, in der sonst das Kanu anlegt in den Rio Arajuno. Es ist um die Mittagszeit und wir wollen uns in der Urwaldschule mit den Waldhütern Ruben und Jaime treffen, um ihnen den Transfer der GPS-Daten auf einen Computer zu zeigen und uns von allen zu verabschieden. Es ist unser letzter Tag in Selva Viva. Und da ich es all die Wochen nicht einmal zum Baden im Rio Rodriguez oder Rio Arajuno geschafft habe wird halt nun zur Arbeit geschwommen. Meine Arbeitsmaterialien (Laptop und Co.) habe ich Adrian anvertraut der das Kanu bevorzugt. Durch die letzten zwei Tage Regen hat der Fluss wieder ordentlich Wasser und die Strömung ist nicht gerade klein. Trotzdem habe ich ordentlich meinen Spass und schwimme mit den Wellen Richtung AmaZOOnico. Nach circa 15 Minuten (mit Kanu sind es 5 min, zu Fuss 1,5 Stunden) komme ich an wobei die letzten Meter die anstrengendsten sind: aus der Flussmitte versuche ich mit aller Kraft und etwas spät an die Landestelle der Kanus zu schwimmen. Knapp verfehle ich das Ziel und muss somit am Ufer ein paar Meter zurücklaufen. Adrian hat sich bereits zur Schule aufgemacht – mit meinen Sachen – und so husche ich schnell nach oben um mir richtige Klamotten anzuziehen.

Kurze Zeit später trudeln erst Ruben und dann Jaime ein. Die Zwischenzeit nutze ich zum Hochladen der letzten beiden Blogs und eMails abrufen. Allzu viel scheint in Deutschland nicht zu passieren, denn (fast) keiner schreibt. „Na dann kann ich ja auch noch hierbleiben“, denke ich mir… Wir wollen den Waldhütern heute zeigen wie man die Messdaten der GPS-Geräte auf den PC überspielt, dort bearbeitet und gegebenenfalls auch wieder zurückspielt. Jaime hat schon einmal einen Kurs in Sachen GPS belegt und aus seiner Heimatgemeinde (welche über annähernd 3000 Hektar Primärwald verfügt) ein GPS-Gerät ausgeliehen um uns dazu ein paar Fragen zu stellen. In der dortigen Gegend wollten die Kichwa mit den GPS-Daten gegen Erdölfirmen vorgehen, welche illegal in ihrem Gebiet Probebohrungen vorgenommen hatten. Ruben ist hingegen sichtlich überfordert: er hat noch nie mit einem Computer gearbeitet. Generell wollen wir auch nur das Prinzip erklären und planen in Zukunft die beiden weiter zu schulen und betreuen.

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Nach gut anderthalb Stunden sind wir weitgehend durch und wir überspielen Jaime noch einen Großteil der Daten auf einen USB-Stick den er sich eigens gekauft hat. Es gibt noch ein paar Abschiedsfotos und für Jaime ein spezielles Geschenk: weil er sich bei einem unserer Treffen kurzzeitig mal aufs Ohr gelegt hat habe ich ihn dem Spitznamen „Guardasueño“ gegeben, was so viel wie Schlafhüter (statt Waldhüter) bedeutet. Für seine zukünftige Nickerchen bekommt er deshalb von mir (besser gesagt KLM) ein Kopfkissen mit Wolldecke verpasst.

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Dann geht es ab Richtung AmaZOOnico. Wir wollen Selva Viva nicht verlassen, ohne einmal einen Rundgang gemacht zu haben. Kelly (eine der beiden Chefs) organisiert für uns eine Volontärin die die Führung unternimmt. Über die Tiere in den verschiedenen Gehegen gibt es viele Geschichten. Die meisten sind recht tragisch und handeln von Misshandlungen, getöteten Elterntieren und Verhaltensstörungen. Trotzdem gibt es auch die ein oder andere Romanze wie das Rote Ara-Paar das sogar in Freiheit leben darf. Alles scheint wie eine eingeschworene Gemeinschaft. Etwas anders wird mir beim Anblick der drei Meter langen Anaconda: solche Exemplare wurden auch schon im Rio Arajuno gesichtet in welchem ich heute morgen noch geschwommen bin. Das Besondere am AmaZOOnico ist, dass das Wohl der Tiere oberste Priorität hat. Die Gehege sind recht groß und nicht von allen Seiten zugänglich oder einsichtbar. Über den Gehegen wächst der Urwald. Darüber hinaus gibt es auch zahlreiche Bewohner wie Aras, Schildkröten, Klammeraffen und Totenkopfäffchen die sich vollkommen frei bewegen. Die Ozelots bekomme ich wie vor schon fünf Jahren auch diesmal nicht zu Gesicht: nach einem Stromausfall ist eines der Tiere ausgebüchst (insofern es sie wirklich gibt).

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Am Ende der Tour lege ich noch einen Stopp im Büro der Verwaltung ein und plaudere mit Kelly und Sarah. Diese bedanken sich herzlich für unseren Einsatz: die zukünftige Arbeiten mit GPS könnten auch für Überwachungen der ausgewilderten Tiere interessant sein. Leider sind aber gerade alle etwas aufgewühlt weil die letzten Tage bereits vier Spinnenaffen plötzlich verstorben sind. In höchster Anspannung erwartet man einen Anruf aus Quito wohin Blutproben geschickt wurden.

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Bevor ich gehe frage ich noch nach den vier Funkgeräten welche die Waldgruppe von Greenpeace Freiburg vor drei Jahren hierher gespendet hatte. Sie waren eigentlich für die Waldhüter gedacht, aber die Reichweite hatte sich in den sehr hügeligen Terrain als bald nicht ausreichend erwiesen. Nun liegen die Walkie Talkies zusammen mit einem Haufen anderer Elektroschrott in einer Kiste: das feuchtwarme Klima hat auch hier seinen Tribut gefordert. Ich packe die Geräte ein: vielleicht lässt sich ja noch was reparieren und mache mich dann auf zu Adrian und Ruben. Jaime ist bereits wieder verschwunden. Wir treffen uns später am Fluss wo wir uns noch herzlich von Remigio verabschieden. Auch von seiner Seite gibt es ein herzliches Dankeschön. Abschiedstränen gibt es keine, werden wir doch sicherlich mal wieder hierherkommen. Das was wir hier geleistet haben soll ja auch ein Anfang und kein Ende sein. Mit dem Kanu der Liana Lodge verlassen wir Selva Viva und erreichen mit den letzten Sonnenstrahlen über dem Rio Arajuno schließlich Puerto Barantilla. Morgen heißt es packen und putzen, bevor es nach Tena und dann am Sonntag nach Quito geht.

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Blog 25 -Schüsse im Wald

Heute ist unser letzter Tag Feldarbeit in der Finca Liza. Was uns nach den Kartierungen der Bachverläufe noch fehlt sind die großen Bäume im hinteren Teil der Finca. Wir machen uns auf einen dicken Brocken Arbeit gefasst. Erfreulicherweise haben beide Waldhüter Zeit und so werden wir schnell vorankommen. Außerdem können wir Ruben noch mehr mit der Arbeit des GPS-Geräts vertraut machen. Bisher hat er sich etwas schwer getan damit. Angekommen an der Finca gibt es erstmal eine kurze Planbesprechung und Einweisung und diverse Unterfunktionen der GPS-Geräte.

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Dann geht es los in den Wald. Ich hinke mit Ruben etwas hinterher, da ich ihn gebeten hatte mir alles in Bezug auf Medizinpflanzen zu zeigen und an einigen Stellen werden wir direkt am Wegesrand fündig. Noch im Sekundärwald der ehemaligen Kakaoplantage entdecken wir einen kleinen Strauch. „Matiri“ heißt die Pflanze und die weiße Milch der Wurzeln ist zwar sehr bitter, aber anscheinend ein hervorragendes Mittel gegen Husten und Erkältung. Etwas später stoßen wir auf einen mittelgroßen Baum. Ruben ritzt mit seiner Machete in die Rinde des „Sucubas“ und es tritt ebenfalls ein weißer Saft aus. Dieser soll wirksam in der Bekämpfung von inneren und äußeren Tumoren sein: seine Mutter, die sich nicht einer Operation unterziehen wollte, wurde nach längerer Behandlung mit dieser Pflanze geheilt. Etwas weiter im Primärwald finden wir schließlich noch eine Rinde deren blutroter Extrakt antirheumatisch wirken soll, sowie die „Una der murcielago“ deren Blätter gegen Gastritis helfen.

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Abgesehen davon gibt es immer mal wieder was für den Magen und fürs Auge. Palmherzen bekommt man teilweise auch bei uns in Deutschland zu kaufen, aber nie so frisch wie hier. Die beigefarbenen Pilze hingegen eigenen sich eher nicht zum Verzehr, allerdings ist Ruben später für eine Weile verschwunden. Später taucht er mit einer Ladung Champignons auf die er in einem großen Blatt eingpackt hat. Die Signalfarbe „rot“ bei Pflanzen wird nicht nur für Blüten, sondern auch frische Blätter verwendet. Dies soll verhindern, dass diese sofort von Insekten aufgefressen werden. Eine andere Möglichkeit sind Stacheln die man nicht nur an Sträuchern, sondern auch ganzen Bäumen findet.

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Bald erreichen wir den Pfad zum hinteren Ende der Finca Liza und einen ersten riesigen Urwaldbaum. Leider steht er auf dem Nachbargrundstück, aber eignet sich trotzdem für ein paar gute Fotos. Bei solch viel Größe muss man aufpassen, dass man den Blick für die kleinen Dinge nicht verliert. Oft erkennt man die sehr gut getarnten Tiere des Waldbodens nur durch ihre Bewegung.

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Dann hören wir in der Ferne einen Schuss. Ein Wilderer! Offensichtlich scheint hier jemand regelmäßig sein Unwesen zu treiben, denn Ruben hat nun schon ein paar mal Personen mit Waffen im Wald getroffen und zudem kann man an Spuren auch sehen wer im Wald unterwegs ist. Das Wildern in der hiesigen Gegend ist ein sehr großes Problem. Wir hatten uns schon oft gefragt, warum wir auf so wenige große Tiere in der Finca Liza treffen und der Grund dürfte tatsächlich in der Wilderei liegen. Ungünstigerweise ist die Finca Liza vom Rest Selva Vivas durch zwei weitere Fincas getrennt. Deren Besitzer scheren sich nicht groß um den Schutz des Waldes und machen vermutlich mit den Jägern schmutzige Geschäfte, denn eigentlich ist nur die Jagd nicht geschützter Tierarten im eigenen Wald erlaubt. Wilderer knallen aber bekanntlich alles ab was ihnen vor die Flinte springt. Die Wilderei zu unterbinden dürfte schwierig sein. Nur bei Fotobeweis kann Anzeige erstattet werden. Vermutlich wäre es der beste Weg einen Suchtrupp zu engagieren, die den Wilderer suchen und stellen. Tagelöhner bekommt man hier schon für 20 Dollar am Tag. Damit würden sich die Waldhüter nicht in unnötige Gefahr begeben und „statuiertes Exempel“ sollte sich schnell herumsprechen. Langfristig wären aber auch andere Wege denkbar wie die Zucht von bestimmten Arten wie Wildschwein oder die Lizenzierung der Jagd. Das Thema ist sehr schwierig aber nach unseren Erfahrungen eines der größten aktuellen Probleme im nordöstlichen Teil von Selva Viva.

Etwas weiter steigen wir ein ins Gelände. Adrian hat zuvor über die Satellitenbilder ein paar der großen Bäume auf seinem Feldlaptop markiert und die GPS-Information auf die Handgeräte überspielt. Jaime scherzt noch wie man sich aus Blättern einen Regenschirm basteln kann. Wenn er nur wüsste was noch auf uns zukommen sollte…

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Dann geht es an die Arbeit: der Wald im hintersten Teil der Finca ist sehr wild. Chaotische Konstrukte aus Lianen wachsen durchs Unterholz. Auf manchen kann man richtig schaukeln. Wir kommen gut voran bis um kurz nach zwei der Himmel rabenschwarz ist. Schon bricht auch einheftiges Unwetter los. Am Waldboden ist man zwar vor Wind geschützt, aber das Blätterdach gibt bald nach und schwere Regentropfen prasseln auf uns nieder. Wie es der Zufall will haben alle an einen Regenschutz gedacht nur Jaime nicht. Seine notdürftige Improvisation aus großen Blättern hält nicht lange stand und so eilt im Adrian zur Hilfe.

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Nach einer halben Stunde lässt der Regen nur wenig nach, aber wir müssen weitermachen wenn wir heute noch fertig werden wollen. Kurz nach fünf sind wir endlich fertig und machen uns zügig auf Richtung Straße. Um 18:00 Uhr gibt es einen Bus und wir müssen noch einen Tisch und ein paar Stühle, welche wir aus Puerto Barantilla ausgeliehen hatten, abbauen. Es klappt alles und zufrieden können wir die erste vorläufige Bilanz ziehen: insgesamt 154 große Urwaldbäume konnten wir im Gebiet der Finca Liza kartieren. Superlative sind vermutlich der „Yutzo de la Montana Alta“ mit sicherlich 15 Metern Umfang, sowie der „Canelo Blanco“ mit um die 50 Metern Höhe. Von fast allen Bäumen haben wir Fotos, Namen und weitere Informationen (Holzverwendung, Früchte, Medizinale Nutzung) aufgezeichnet und werden diese später noch in unsere Datenbanken und das GIS einpflegen. Wie erwartet nimmt die Dichte an großen und alten Bäumen im hinteren Teil der Finca zu: bis hierher hat es noch kein Holzfäller geschafft.

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Blog 24 – Liana Lodge

Sollte unser Blog die Lust auf ein persönliches Kennenlernen von Selva Viva geweckt haben, so können wir für ein paar unvergessliche Tage im Regenwald die „Liana Lodge“ wärmstens empfehlen. Sie liegt am nördlichen Ende von Selva Viva kurz vor der Mündung des Rio Arajuno in den Rio Napo. Diese wollen wir uns heute anschauen und danach wichtig anstehende Erledigungen im Internet tätigen. Die Glasfaserleitung, welche in Folge der Flut von ein paar Baumstämmen zermahlen wurde, ist inzwischen repariert und so hoffen wir gut voranzukommen.

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Der Abstecher zum Zusammentreffen der beiden Flüsse dauert länger als erwartet. Denn die erste Begegnung der beiden Ströme verläuft entlang einer Kiesbank und ist für uns mit dem Kanu unpassierbar. Der Wasserpegel hat gerade ein normales Niveau, so dass viele Kies- und Sandbänke frei liegen: einzigartige Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. An der Mündung selbst ist der Rio Napo erstaunlich schmal, was dem tiefen Flussbett geschuldet sein wird. Die Strömung jedenfalls ist enorm und der Motor heult auf voller Leistung um uns zurück in den Rio Arajuno zu manövrieren.

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Die Liana Lodge wurde von der Mitbegründerin von Selva Viva Angelika Raimann zusammen mit ihrem Mann Remigio Canelos gegründet und wird seit dem tragischen Unfalltod von Angelika im Jahr 2011 von Remigio weitergeführt. Am besten erreicht man die Lodge per Kanu von Puerto Barantilla oder Ahuano aus. Es gibt von hier allerdings auch einen Weg durch den Wald zur Straße Richtung Finca Liza. Für die zukünftige Entwicklung von der Finca Liza könnte es sehr interessant sein, diesen Weg auszubauen und auf Vordermann zu bringen. Denn dann könnte man direkt ohne große Umwege (bisher muss man erst mit dem Boot bis nach Puerto Barantilla und dann per Auto oder Bus) zur Finca gelangen. Dazu müsste man sich aber auch erst mit zwei weiteren Anrainern einigen, deren Fincas dabei überquert werden müssten.

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In der Liana Lodge jedenfalls lässt es sich gut aushalten. Neben Aktualisieren des Blogs versuchen wir uns in der Installation von Windows XP auf Adrians altem Laptop. Diesen würden wir gerne den Waldhütern überlassen, damit sie auch in Zukunft mit der GPS-Kartierung fortfahren können und auch selbst dazu arbeiten. Mit diversen Umwegen bekommen wir die Kiste tatsächlich zum Laufen, allerdings bisher nur im Schneckentempo. Zumindest funktionieren Internet und Textverarbeitungsprogramme recht flüssig – allein das dürfte schon eine große Hilfe sein, denn bisher liefern die Waldhüter ihre Reports in Papierform ab.

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Die Zeit verfliegt und bald ist es dunkel. Zum Glück fahren die Kanus auch nachts – dann allerdings mit Zuschlag. Faszinierend ist jedenfalls unsere Rückfahrt ohne Licht, nur die Geräusche und Gerüche des Kanus, Flusses und Waldes wahrnehmend.

Blog 23 – Sumaco III

Selten hab ich so fest geschlafen wie heute nacht. Aber auch selten war ich so k.o.! Um kurz nach sechs stehe ich endgültig auf, nachdem mein Guide Hector schon seit vier Uhr morgens umtriebig ist. Er hat bereits Wasser abgekocht und Frühstück vorbereitet: Gemahlene Kochbananen mit Thunfisch in Rührei, verfeinert mit Waldpilzen. Hört sich gewöhnungsbedürftig an für eine Mahlzeit morgens um sechs, aber hat gut geschmeckt und die notwendige Energie für den Tag gebracht. Der Morgen ist auch heiter und Hector verspricht einen sonnigen Tag. Die Aussicht vom Refugio ist fantastisch: im Westen leuchtet der Sumaco in der Morgensonne und im Osten liegt der Tiefland-Regenwald. Als alle sieben Sachen gepackt sind schickt mich Hector schon mal auf den Weg: er ist sowieso schneller als ich und möchte die Hütte noch etwas auf Vordermann bringen.

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Ich mache mich also auf dem Weg und fühle mich auch um Welten besser als am gestrigen Tag. Zwar habe ich gefühlt am ganzen Körper Muskelkater, aber der ist schnell vergessen beim Anblick der vielen schönen kleinen und großen Dinge in diesem Urwald. Mit jedem Höhenmeter den ich absteige verändert sich die Vegetation ein bisschen. Zwischendrin durchquere ich einen dichten Bambuswald.

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Nach nur anderthalb Stunden Abstieg erreichen wir bereits die Grenze des Nationalparks Hector hat mich inzwischen eingeholt und klärt mich darüber auf, dass der gesamte Park – wie die Parzellen von Selva Viva – von einem „lindero“ umgeben ist. Das ist eine vegetatationsfreie Schneiße die in den Wald geschlagen wurde; eine Art natürlicher Zaun. Ob dieser „Zaun“ Wilderer oder illegale Holzfäller aufhalten mag, kann bezweifelt werden.

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Nach weiteren anderthalb Stunden haben wir schließlich wieder das Siedlungegebiet von Pacto Sumaco erreicht. Hier werden vor allem „Naranjillas“ angebaut, eine Art Orange die sehr lecker ist und sich hervorragend zum Saftpressen eignet. An Hectors Haus schließlich wartet schon das Motorrad mit dem ich kurze Zeit später über einen kleinen Zwischenstop bei der Comunidad an die Fernverkehrsstrasse gebracht werde. So komme ich noch rechtzeitig nach Tena um den 18 Uhr Bus nach Puerto Barantilla zu erwischen. Vorher kaufe ich noch ein paar Leckereien im Supermarkt ein – heute ist der letzte gemeinsame Abend mit unserem Schweizer Lehrerpaar Isabel und Lionel. Hinter mir liegen drei anstrengende, aber sehr beeindruckende Tage. Vor uns liegen leider nur noch vier Tage in Selva Viva. Zeit zum Verschnaufen bleibt also nicht: die Kartierungen wollen abgeschlossen werden und der Wissenstransfer steht ganz oben auf unserer Liste.

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Blog 22 – Sumaco II

Die Nacht war ziemlich unruhig. Auf der knatschenden Holzpritsche hat es sich trotz Isomatte schlecht geschlafen. Zudem war mir am frühen Morgen doch kalt im sommerlichen Schlafsack. Immerhin befinden wir uns auf 25oo m Höhe. Nun gut – nach einem kurzen Frühstück wandern wir noch vor Sonnenaufgang los. Der Regen hat sich verzogen und man sieht sogar noch ein paar Sterne am Himmel leuchten. Meine Wanderstiefel hab ich heute gegen die Gummistiefel ausgetauscht was sich auch sofort bezahlt macht. Der nächtliche Regen hat den vor uns liegenden Weg in ein Meer aus Schlamm verwandelt. Anfänglich noch per Stirnlampe erhellt leuchten bald die ersten Sonnenstrahlen durch die Baumkronen. Was ein Glück nach dem heftigen nächtichen Regen!

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Kurz vor dem dritten Refugio kommen wir zu einer Stelle mit guter Aussicht Richtung Westen. In der Ferne können wir nicht nur den bereits gestern entdeckten Vulkan Antisana, sondern auch die Vulkane Sangay, Cotopaxi und Cayambe erkennen! Allesamt schneebedeckt leuchten ihre Kegel in der Morgensonne. Der Gipfel des Sumaco hingegen wird zunehmends dießiger und erste Wolken ziehen auf. Es sind noch mehr als drei Stunden bis zum Gipfel und somit schwinden leider die Chancen, von oben eine freie Sicht zu haben.

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Das dritte Refugio liegt schließlich auf knapp 2700 m Höhe. Das ist enttäuschend, denn in den letzten drei Stunden haben wir somit kaum an Höhe gewonnen. Dies war dem ständigen Auf- und Ab des Pfades geschuldet. Von hier aus also beginnt der Anstieg an der Flanke des Vulkankegels. Der Bergwald wird immer dichter und undurchdringlicher. Nicht jeder Touristengruppe schafft es hierher und dementsprechend ist der Weg auch weniger gepflegt. An manchen Stellen ist es mehr Kletterei in schlammigem Lehm als Bergsteigen. Verschärft wird die Lage durch eine leicht einsetzende Höhenkrankheit. Ich kenne das schon von früheren Bergtouren: ab 3000 Metern kostet alles doppelt so viel Kraft und meine Pumpe läuft auf Hochtouren. Zu allem Überfluss machen sich langsam nun auch noch Kopfschmerzn breit. Aufgeben möchte ich aber nicht. Das Ziel ist zu nahe um jetzt umzukehren. Ein Lichtblick sind die Pflanzen des Nebelwaldes die immer wieder verzaubern.

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Dann, „endlich“, auf knapp 3200 Höhenmetern verlassen wir den Bergwald. Als Europäer schwer vorstellbar, dass auf solch einer Höhe noch ein Wald wächst! Der Übergang ist dafür recht aprubt in ein steppiges Grasland, das seinerseits wiederum nicht weniger dicht ist. Dafür bieten sich die ersten Ausblicke auf den unter uns liegenden Regenwald.

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Die Freude über den Ausblick ist leider von kurzer Dauer, denn schon ist ziehen immer mehr Wolkenfelder die Flanken des Vulkans hoch. Bald stehen auch wir mitten im Nebel. Ohnehin geht nun alle Kraft ins Vorwärtskommen. Die letzten 500 Höhenmeter dauern eine gefühlte Ewigkeit. Etliche Male brauche ich eine Pause die ich fürs Fotografieren der uns nun umgebenden „Paramo“-Vegetation nutze. Viele der Pflanzen hier könnten aus „Jurrassic Park“ stammen. Im Nebel erscheinen sie mystisch und sagenhaft.

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Dann erreichen wir endlich den Vorgipfel und haben freie Sicht auf den Hauptgipfel. Angesport von dessen Anblick werden letzte Reserven mobilisiert und dann endlich, nach sieben Stunden Aufstieg, sind wir am Ziel. Auch wenn wir nicht in die Ferne sehen entschädigt der Blick in den Krater. Hector war schon 60 mal hier oben aber hat heute erst zum zweiten mal freie Sicht nach unten. So zückt er sein Handy und macht ebenfalls begeistert ein paar Bilder.

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Nach einer kurzen Pause und Mahlzeit beginnt der Abstieg. Dieser ist nicht weniger anstrengend, da meine Kopfschmerzen immer schlimmer werden. Die nächsten sechs Stunden werden zum Martyrium und werde ich hier nicht ferner beschreiben. Von Matsch habe ich jedenfalls fürs Erste genug. Völlig entnervt und mit den Kräften am Ende erreichen wir schließlich nach 12 Stunden insgesamt kurz um 18 Uhr wieder das Refugio. Das Kochen überlasse ich heute Hector und schmeiße mir erstmal eine Ibuprufen rein. Die wirkt zum Glück und so schlafe ich tief und fest.

 

 

 

 

 

Blog 21 – Sumaco I

Die folgenden drei Blog-Beiträge handeln von meiner Expedition auf den Vulkan Sumaco im gleichnamigen Nationalpark. Zwar geht es dabei nicht direkt um Selva Viva, aber den ein oder anderen interessiert es vielleicht trotzdem und als Reiseziel lohnt sich die Gegend allemal!

Los ging die Reise am Samstag. Im Vorneherein hatte ich ein paar mal mit dem Leiter der dortigen Comunidad telefoniert um alle notwendigen Infos zu erhalten. Am Vormittag sortiere ich noch kritisch die Sachen die in den Rucksack sollen. Lieber ein paar Kleidungsstücke mehr oder doch nur Minimalgepäck und den Rücken schonen!? Ich entscheide mich für die erste Variante – im Notfall kann man immer noch was im Refugio zurücklassen.

Es gibt einmal täglich einen Direktbus von Tena nach Pacto Sumaco – dem letzten Dorf vor dem Nationalpark. Dieser fährt um 16:30 Uhr los und meine Kontakperson Emilio Cortez erwartet mich gegen 19:00 Uhr vor Ort. Mit etwas Verspätung legt der Bus am Terminal „Mercado Central“ ab und nach einer guten Stunde Fahrtzeit geht gar nichts mehr. Wie wir erfahren hat am späten Nachmittag ein LKW den Stahlträger einer der vielen Brücken in der Gegend gerammt und das muss nun repariert werden. Das Ganze dauert und der Stau wird immer länger. Bald schon fangen die ersten Passagiere an ihren Weg zu Fuss fortzusetzen um auf der anderen Seite der Brücke ein Taxi zu nehmen. Mir bleibt nichts Anderes übrig als zu warten. Nach zwei Stunden schließlich setzt sich die Blechkolonne in Bewegung. Nun passiert etwas Seltsames: einzelne Vehikel scheren zum Überholen aus und preschen nach vorne. Sind sie sich nicht bewusst, dass auf der anderen Seite der Brücke der Gegenverkehr auch ins Rollen kommt? Bis das Wirrwarr einigermaßen entzerrt ist vergeht eine weitere halbe Stunde und so treffe ich erst um kurz nach halb zehn in Pacto Sumaco ein.

Es ist bereits tiefste Nacht, aber noch schwärzer ist mein Kontaktmann. Don Emilio stammt eindeutig nicht von hier, denn die Nachfahren afrikanischer Sklaven leben in Ecuador fast ausschließlich an der Küste. Ich frage mich wie es ihn hierher verschlagen hat. Nach einem kurzen rustikalen Abendessen begleitet er mich zur Unterkunft. Diese liegt etwas außerhab und so haben wir Zeit zu plaudern. Es stellt sich heraus, dass das Dorf selbst noch gar nicht so alt ist und erst 1987 gegründet wurde. Und zwar als Folge einer fatalen  Eruption des Vulkans „Reventadors“ welcher große Landstriche verwüstete und viele Menschen nach einer neuen Heimat suchen ließ. Ironischerweise bot der ecuadorianische Staat den Opfen nun Land im Süden des Vulkans Sumaco an. Aufgrund mangelnder Alternativen nahmen viele das Angebot an. Und so ist auch hier das Land in etliche 200 m breite und 2 Kilometer lange Parzellen unterteilt – genau wie bei Selva Viva. Wo vorher Urwald stand gibt es nun Farmen und Plantagen. Trotzdem versucht ein Teil des Dorfes sich im Ökotourismus. In der enstehenden Lodge der Comunidad kann ich übernachten.

Am nächsten Morgen kurz vor 6 Uhr stehe ich auf – mein Guide soll mich um diese Uhrzeit abholen. Zum Glück verspätet er sich etwas, denn somit kann ich das atemberaubende Panorama mit meiner Kamera festhalten. Ich blicke direkt auf den Vulkan Sumaco und davor auf einen endlos erscheinenden Regenwald. Es geht gerade die Sonne auf und in der Ferne erleuchten bereits die Gletscher des Vulkans Antisana. Ein wunderschöner Anblick.

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Dann höre ich auch schon das Rattern eines Motorrads nähern. Kurz danach steht Hector vor mir: ein kleiner zahnloser Kichwa um die 50 Jahre alt. Erfreut über die Abholung per Taxi werde ich zum Haupthaus der Comunidad gefahren. Dieses wurde 2005 mit Hilfe der GTZ (deutsche staatliche Entwicklungshilfeorganisation) errichtet, welche hier ein Vorzeigeprojekt für ländlichen, selbst verwaltete Tourismus gefördert hat. Ich trage mich im Besucherbuch ein, lasse noch ein paar Gepäckstücke da und frage nach meinem Guide. Don Emilio verweist mich auf Hector, was mich doch überrascht. Wie soll der mich denn auf den Vulkan führen… Schnell werde ich eines Besseren belehrt. Im Stoßschritt verlassen wir das Dorf in Richtung Nationalpark. Vorher legen wir noch kurz einen Stopp bei ihm zuhause ein wo es eine heiße Tasse Tee gibt.

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Meine Gummistiefel hab ich erstmal im Rucksack gelassen – wandert es sich doch in Trekkingstiefeln deutlich bequemer. Das war ein Fehler: im Angesicht des total matschigen Pfades wird das Wandern zum Spießroutenlauf immer auf der Suche nach einem trockenen Fleckchen Erde. Meine Wanderstöcke helfen zwar viel, aber trotzdem trete ich ein aufs andere Mal rein ins Fettnäpfchen bis auch bald die die Feuchtigkeit die Füße erreicht hat. Knirschend nehme ich die Kellerfeuchte zur Kenntnis und marschiere weiter. Versüßt wird der Ärger durch immer wieder spektakuläre Ausblicke auf den Vulkan.

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Nach guten zweieinhalb Kilometern verlassen wir das Farmland und betreten den Wald. Sofort ist man in einer anderen Welt: im Gegensatz zum Tiefland-Regenwald von Selva Viva stehen die Bäume hier nicht so dicht und lassen mehr Licht dadurch. Dazu sind sie über und über mit Moosen und Farnen bewachsen.

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Nach insgesamt zwei Stunden Wanderung erreichen wir die Randzone des Nationaparks. Dieses Übergangsgebiet besteht bereits unter Schutz und bald treffen wir auf die ersten richtig großen Bäume und interessanten Bewohner dieses Waldes.

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Dann, nach knapp drei Stunden, kommen wir am ersten von insgesamt drei Refugios an. Auch diese wurden 2005 mit Hilfe der GTZ errichtet. Wie mir Hector berichtet wurde dazu alles Material per Manneskraft nach oben transportiert. Das schwer zugänglichen Gelände ist nicht einmal mit Eseln begehbar. Von hier aus hat man früh morgens angeblich eine tolle Sicht auf den Vulkan. Es ist zwar „erst“ 10:00 Uhr, aber der Vulkan liegt bereits in Wolken. Der Anblick auf den Regenwald zu seinen Füßen ist aber genauso herrlich und wir erkennen einzelne, gerade rosa blühende Bäume, unter uns.

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Von hier an geht es bergauf, bergab in Richtung zweites Refugio: unser Etappenziel. Im Primärwald treffen wir vor allem auf interessante Pflanzen. Die Tiere machen sich leider rar und wir hören zwar jedemenge Vögel und sogar aus der Ferne ein paar Brillenbären, aber vor die Linse bekomme ich keines dieser Tiere. Anscheinend kommen hier im Nationalpark über 500 Vogelarten vor (bei insgesamt 1600 Arten in Ecuador was 17% der totalen Diversität der Erde entspricht!!!).

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Spannend sind die offensichtlichen Überlebensstrategien der Pflanzen. Fast alle Früchte und Blüten haben die Signalfarbe „rot“. Einzelne Bäume scheinen eine besondere Rinde zu haben die sie von lästigen Parasiten wie den gefürchteten Würgefeigen frei hält. So wandern wir durch den Wald bis wir nachmittags um 15 Uhr endlich das Refugio an der Laguna Sumaco erreichen. Ich bin ziemlich platt, denn der Rucksack und sehr steile und rutschige Pfad haben Einiges abverlangt. Nachdem ich mir ein Süppchen gekocht habe lege ich mich erstmal eine Viertelstunde aufs Ohr.

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Dann trudelt auch schon eine weitere Gruppe Touristen ein. Die zwei Österreicher und zwei Ecuadorianer kommen zurück vom Vulkan und sind fix und fertig. Einer der Jungs arbeitet als Bergführer und ist sonst auf den 6000 ern der Hauptkordillere unterwegs. Stöhnend berichtet er, dass diese ein Klacks gegen den Sumaco wären. Das kann ja heiter werden. Mehr Sorgen bereitet mir allerdings der einsetzende Regen. Um 19 Uhr koche ich mir noch ein Abendessen und kurz danach geht es ins Bett.

 

 

 

 

 

Blog 20 – Unter Stock & Stein

Die Kartierung der „Linienelemente“ im Sinne räumlicher Daten (also als nicht geschlossene Polygone) fand ihre Fortsetzung am Sonntag und am Dienstag. Insgesamt fließen elf Bäche durch das Areal der Finca Liza (auf der Karte in BLAU). Die Zuflüsse zu diesen Bäche werden dabei nicht als eigene Bachläufe betrachtet. Sie werden auch nicht vollständig erfasst. Zum einen darum, weil die Zeit tatsächlich etwas knapp zu werden begann; zum anderen, weil die Zuflüsse sehr zahlreich sind und sich die Frage stellt, ab welcher Größe eine Einmessung kartografisch überhaupt noch sinnvoll ist, insbesondere dann, wenn die Zuflüsse nur periodisch Wasser führen.

Selbstverständlich kann man davon ausgehen, dass sich einige dieser Gewässer weiter der Strömung folgend zu größeren Einheiten zusammenschließen werden, und im Sinne einer Erfassung der Bäche als ein Netz aquatischer Habitate wäre dies in Zukunft sicher auch eine sehr wichtige Information (man denke hier beispielsweise an Monitoring für aus dem AmaZOOnico ausgewilderte Tiere und deren Wanderbewegungen). Für uns konkret wichtig war im Zusammenhang mit der Kartierung der Wasserläufe vor allem die offenkundige Möglichkeit, auf das tatsächliche Relief rückschließen zu können. Die frei verfügbaren digitalen Höhenmodelle, auf die unter anderem GoogleEarth zurückgreift, wurden erstellt auf Basis einer im Jahr 2000 durch ein Space Shuttle durchgefürten Radarabtastung der gesamten Erdoberfläche. Diese erlaubt aber keine Unterscheidung zwischen der realen Erdoberfläche und Bewuchs. Mit anderen Worten: Google – und auch „alle anderen“ – interpretieren das Kronendach des Waldes als Oberfläche der Erde. Aus dem selben Grund folgen auch die z.B. von OsmAnd~ extrapolierten Höhenschichtlinien nicht dem Relief, sondern der Oberfläche des Kronendaches, weshalb in diesen Modellen Flüsse hin und wieder auch bergauf fließen können.

Abgesehen von dem bereits seit dem zweiten Tag im Gelände bekannten Hauptpfad in den östlichen Teil des Areals existieren zahlreiche andere Feinerschließungspfade, die vornehmlich entlang der Bergrücken verlaufen und somit der Ideallinie zur Vermeidung unnötiger Höhenmeter folgen (auf der Karte in GELB). Insgesamt ist das Gelände aufgrund des Reliefs nämlich schwer zu begehen, besonders in Gummistiefeln, wie hier allgemein üblich — und auch sinnvoll. Bergstiefel wären nicht nur um ein Vielfaches teurer, sondern auch aufgrund der unvermeidlichen Gewässerquerungen wiederum auch keine optimale Wahl. Die sehr erosiven Gesteinsschichten werden von Bächen tief eingeschnitten und formen steile Klingen, die dem Fuß wenig Halt bieten. Der Höhenunterschied zwischen Talsohle und Kamm beträgt den GPX-Tracks zufolge im Mittel etwa 30-40m, die Kämme sind durchschnittlich etwa 200m breit (die Steilhänge schließen sich dabei vorwiegend unmittelbarer auf beiden Seiten der Bäche an). Im Oberhang sind die Bergkämme oft noch breit und in der Fläche gut begehbar.

Im Folgenden die Höhenprofile des nördlichen, sowie des südlichen Grenzpfades:

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An vielen Stellen haben sich die Bäche durch Festsedimente gegraben. Man durchschreitet dem Wasserlauf folgend immer wieder Passagen, in denen die senkrechten Wände auf beiden Seiten sehr ahe heranrücken, in Ausnahmen sogar bis auf weniger als einen Meter. Diese Mauern ragen dabei mehrere Meter hoch auf. Sehr spektakulär enden Bäche auch an steilen Felshängen, wie hier der Bach Nr.9 (der zweite Bach von Osten aus betrachtet). Im gesamten Areal trifft man überhaupt immer wieder auf abrupte Geländebrüche, die für einen Menschen ohne Kletterhilfen nicht passierbar sind (aber wenigstens hübsch aussehen).

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Obwohl die Zeit für eine systematische Erfassung dieser Geländebrüche nicht ausreicht, so konnte ich zumindest diejenigen einmessen, auf die wir außerplanmäßig stießen. Diese fanden sich insbesondere am Bach Nr. 9 , sowie einem langen Zufluss zu Bach Nr. 7. Außerdem befindet sich im Norden des ehemaligen Weidelandes ein auffälliger Bruch, den ich auch darum eingemessen habe, weil sich Waldhüter Jaime zufolge unterhalb des Hanges Primärwald befindet. In der Karte sind die Hangbruchkanten in WEISS gehalten.

Weitere Linien sind Stacheldrahtzäune, mit denen das Weideland oder Nachbarparzellen abgegrenzt wurden (in ROT).

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Während der Bacherkundung haben wir außerdem gefunden:

– eine Schildkröte (lebendig, aber mit eingezogenem Kopf)

– eine Wasserschlange (lebendig, zu schnell für ein Foto)

– ein Gürteltier (tot und nicht vollständig, vermutlich von einem Ozelot erlegt)

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Blog 19 – Voller Einsatz

Für gestern hatten wir uns viel vorgenommen: in zwei Gruppen (beide Waldhüter, ein Schweizer Volontär und wir) wollten wir das restliche Gebiet der Finca Liza auf noch fehlende große Bäume, Bachläufe und Wege kartieren. Adrian hatte eigens einen Masterplan entworfen und das Wetter war uns wohl gesonnen: bewölkt mit leichtem Wind und angenehmen Temperaturen. Die Gruppe um Waldhüter Ruben, Adrian und Michi wollten sich die Wege und Bäche vornehmen wohingegen Jaime und ich die Bäume kartieren sollten. Bevor es losging gab es noch eine kleine Bescherung für die Waldhüter: Das „Fairtrade Center Freiburg i. Brsg.“ hatte uns eine kleine Spende in Form von hochwertigen FSC-zertifizierten Naturlatex-Handschuhen mit auf die Reise gegeben. Jaime und Ruben sind über das Geschenk sehr erfreut und Jaime zieht sich die Handschuhe auch gleich über, hat er sich doch gestern mit der Machete die Fingerkuppe halb abgeschnitten.

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Nach nur einer halben Stunde sind Jaime und ich im Einsatzgebiet. Kurz nachdem wir den Weg verlassen haben geht es direkt mit der Kletterei los. Das Terrain ist hier von tiefen Canyons mit kleinen Bächen durchschnitten, dazwischen liegen Plateaus. Wir arbeiten schnell, aber kommen trotzdem nur mäßig voran. Der Waldboden ist nach drei Tagen ohne Regen zum Glück sehr trocken und trittfest, trotzdem legt es mich mehr als einmal am Steilhang auf den Bauch, denn leider ist nicht immer jeder Ast oder Baum ein fester Griff.

Umso erfreuter sind wir, dass die Dichte an Urwaldriesen zuzunehmen scheint. Diese sollte man nicht nur anhand von ausgeprägten Brettwurzeln definieren. Denn bei Untergrund wo die Bäume gut Wurzeln schlagen können, wachsen die Stämme kerzengerade bis zu 40 Meter und mehr in die Höhe. Am beeindruckendsten bleiben aber zweifelsohne die Giganten in deren Brettwurzeln man sich fast verstecken kann. In den Baumkronen kann man unzählige Aufsetzer-Pflanzen entdecken.

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Unsere Arbeitsteilung sieht so aus, dass Jaime den Weg frei schlägt und mir etwas über die Bäume erzählt und ich die GPS-Koordinaten einmesse und entsprechende Notizen auf einem Smartphone festhalte. Nach zweieinhalb Stunden Arbeit brauchen wir eine Mittagspause und wir lassen uns an einem der vielen kleinen Bäche nieder um das Lunchpaket in Form von Pfannkuchen, Tunfisch und Käse zu genießen.

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In gutem Tempo geht es weiter und zum Glück können wir rechtzeitig noch ein Wespennest erkennen, welches direkt am Weg gebaut ist. Dort hineinzurennen hätte sehr schlimme Folgen gehabt. Ein unerfreulicher und erstaunlicher Anblick sind die Reste eines vor kurzem gefällten „Donsel“-Baums. Dieser stand direkt an der Weggrenze und wir hätten nicht gedacht, so so weit im Inneren der Finca noch Holz genutzt wird. Jaime klärt mich auf, dass das Holz der Donsel-Bäume für Furnierschalung genutzt wird und einen sehr hohen Preis erzielt. Als es 15 Uhr ist und wir einen Blick auf die Karte werfen sehen wir ein, dass wir gerade mal die Hälfte geschafft haben und ein weiterer Tag notwendig ist, um den Rest zu kartieren. Dass diese Erkenntnis der Tatsache geschuldet ist, dass wir so viele Bäume (insgesamt 32) gefunden haben, macht es für uns einfacher.

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Um 15:45 Uhr hatten wir uns mit den anderen vor der Finca verabredet um den 16 Uhr Bus noch zu bekommen. In Rekordtempo laufen wir zur Straße zurück. Ich frage mich ob Jaime mit seinen 51 Jahren das Tempo wohl mithält, werde aber eines Besseren belehrt als er die letzten paar Hundert Meter an mir vorbeizieht. Angespornt werden wir vom zunehmenden Donnern das uns im Rücken liegt. Keine 3 Minuten nachdem wir angekommen sind rollt auch schon der Bus ein. Perfektes Timing. Eine eher unerfreuliche Nachricht ist, dass die anderen einen Wilderer angetroffen haben. Der meinte zwar, dass er nur den Weg über die Finca Liza nutzt, aber die Tiere die er abschießt, machen vor Grenzen nicht halt. Waldhüter Ruben konnte sich anscheinend auch nicht wirklich für drohende Sanktionen aussprechen, so bleibt die illegale Jagd eines der größten aktuelle Probleme für die hiesige Region. Denn erlegt werden nicht nur Wildschweine, sondern auch Affen und Raubkatzen deren Feld verkauft wird. Selva Viva muss sich deshalb auf jeden Fall etwas überlegen, wie man Wilderern das Handwerk legt. Das ist einfacher gesagt als getan und die Waldhüter sollen sich dabei natürlich auch nicht in Gefahr bringen.

Kaum als wir den Bus in Puerto Barantilla verlassen setzt der Regen ein und die nächsten Stunden geht ein heftiges Gewitter ab. Es regnet die ganze Nacht weiter was ich als Hoffnungsschimmer für das Wetter der nächsten Tage deute, denn heute geht es los für mich Richtung Nationalpark Sumaco wo ich den gleichnamigen Vulkan besteigen möchte. Der Abend endet nach gemeinsamen Abendessen mit einen 100%igen Bananenkuchen (Füllung + Mehl!). Von links nach rechts: Isabel, Lionel, Michi, Adrian und Chris.

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