Selva Viva

Beginnen wir aber nach all dem Reden mit einem Lageplan. Auf diesem könnt ihr auf einem Satellitenbild die wichtigsten Punkte von Selva Viva und der Nachbarschaft erkennen.

Das Dorf Ahuano ist seit vielen Jahrhunderten eine Siedlung der Kwicha-Indianer. Diese stammen ursprünglich aus dem Hochland Ecuadors und sind infolge der spanischen Conquista ins Tiefland geflüchtet und seitdem hier sesshaft. Im Gegesatz zu anderen indigenen Gemeinden sind die Kwicha also mehr mit den Völkern des Hochlands als des Amazonas verwandt.

Auf der Insel Anaconda betreiben die Kwicha intensive Landwirtschaft. Hier sind die Böden sehr fruchtbar, da von Zeit zu Zeit durch Überschwemmungen fruchtbare Sedimente angespült werden. Aufgrund dieser Flutgefahr ist die Insel eigentlich klassisch nicht besiedelt, aber aufgrund des zunehmenden Landdrucks haben sich inzwischen um die 60 Familien hier niedergelassen was je nach Familengröße mehrer Hundert Menschen sind. Die Insel Anaconda wird nördlich vom Rio Napo und südlich vom Rio Arajuno umflossen. Hauptverkehrsmittel in dieser Gegend ist deshalb das Kanu, welches aber inzwischen nicht mehr von Muskelkraft, sondern starken Außenbordmotoren angetrieben wird.

Südlich vom Rio Arajuno beginnt Selva Viva. Hier haben Christine und Siegfried von Steiger, sowie Angelika Reiman mit ihrem Mann Remigio ein Grundstück von 39 Hektar erworben. Dies war der Anfang von Selva Viva. Auf diesem Gelände wurden von Angelika und Remigio die Liana Lodge sowie der AmaZOOnico gegründet. Remigio stammt aus der lokalen Kwicha-Gemeinde und hat als einer von 15 Geschwistern überall hin engste Kontakte. Seit dem tragischen Tod von Angelika nach einem Verkehrsunfall im Jahr 2011 ist Remigio der gesetzliche Vertreter von Selva Viva. Die beiden Kinder von Angelika und Remigio sind inzwischen 21 und 16 Jahre alt. Jan studiert inzwischen Umweltwissenschaften in Zürich. Silvia wohnt zur Zeit noch in Selva Viva, möchte aber Veterinärswissenschaften ebenfalls in der Schweiz studiere.

Der AmaZOOnico ist kein Zoo im klassischen Sinn kein Zoo, sondern vielmehr eine Wildtierauffangsstation. Hier treffen Tier aus dem ganzen Land ein. Dies können zum Beispiel von der Polizei konfisziert worden sein oder Jungtiere sein, deren Mütter durch Jagd erschossen wurden. Die Aufgabe des AmaZOOnico ist es diese Tiere aufzupeppeln und nach Möglichkeit auszuwildern. Nach einer Statistik können ein Drittel aller Tiere nach einer gewissen Zeit ausgewildert werden, ein Drittel verbleibt und ein weiteres Drittel stirbt aufgrund schlechter Verfassung bei Ankunft und Krankheiten.

Christine und Siegfried stehen für die Urwaldschule und die Schweizer Genossenschaft zum Schutz des Regenwaldes Selva Viva e.V. wovon die Waldgruppe von Greenpeace Freiburg auch Anteilseigner geworden ist. Die Genossenschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, Landstücke südlich des Rio Arajuno zu erwerben und dauerhaft unter Schutz zu stellen. Über die Jahre konnten mehr als 1.600 Hektar Land erworben werden. Dies ist eine sehr große Fläche und muss dauerhaft gegen Bedrohungen wie Holzeinschlag, Jagd und Goldwäscherei verteidigt werden. Dafür wurden zwei Waldhüter eingestellt: Jaime und Ruben, die mit ihren Familien jeweils mitten im Wald leben.

Die Urwaldschule wurde von Christine gegründet und seit vielen Jahren erhalten hier Kinder der umliegenden Kwicha-Familien eine hervorragende Ausbildung. Viele Lehrer aus der Schweiz kommen hier für einige Monate oder sogar ein ganzes Jahr und helfen mit beim Schulunterricht. Inzwischen wird die Urwaldschule offiziell vom ecuadorianischen Staat getragen, was aber nicht unbedingt nur Vorteile mit sich bringt.

Zu guter letzt gibt es noch Ruana Huasi, was ein Stück Land der Kwicha-Indianer am Südufer des Rio Arajuno ist. Hier wird ein nachhaltiger Tourismus mit mehreren kleinen traditionellen Hütten betrieben.

Die Finca Liza stellt zusammen mit vielen weiteren Parzellen die Fläche des Schutzwaldes dar. Dieser ist inzwischen auch per ecuadorianisches Gesetz als „Bosque Protector“ staatlich anerkannt, was jedoch keinerlei finanziellen Begünstigen, sondern eher Pflichten mit sich bringt. Die Finca Liza ist der jüngste Neuzugang bei Selva Viva und hat zwei Besonderheiten: zum einen befindet sie sich am nordöstlichen Ende von Selva Viva und grenzt nur mit einem kleinen Teilstück an den Rest des Schutzwaldes an, zum anderen stehen hier zwei neuere Gebäude mit sehr guter Infrastruktur. Diese hat der Vorbesitzer – ein Nordamerikaner – bauen lassen und eine zeitlang touristisch genutzt, bis sich das Geschäft nicht mehr gelohnt hat. Vor dem Amerikaner hat ein lokaler Siedler die Finca teils wirtschaftlich als Weide- und Plantagenland genutzt und wertvolle Bäume in Nähe der Straße gerodet. Das Hinterland der Finca ist aber nach wie vor unberührter Primärwald. Am Norden grenzt die Finca an den Rio Rodriguez – ein kleiner, aber immer wasserführender Bach der sich in der Regenzeit in einen reißenden Strom verwandeln kann. Hier wurden schon öfters illegale Goldwäscher gesichtet und vertrieben. Wenn wenig Wasser fliesst kann man hier toll baden und es gibt sogar einen Sandstrand. Und hier nun wollen wir in den nächsten 4 Wochen arbeiten und in einem Pilotprojekt Kartierungs- und Bestandsaufnahmen vornehmen. Was das im Detail bedeutet werden wir in den folgenden Blog-Beiträgen erklären. Die Daten die wir sammeln sollen jedenfalls am Ende dazu dienen, eine bessere Entscheidungsgrundlage zu haben, wie das Gebiet der Finca Liza nachhaltig entwickelt werden kann und sich dabei wirtschaftlich selbst trägt.

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